Zurück aus der Ukraine
07.06.2022: Es ist geschafft. Nach mehreren Terminverschiebungen hat unser Hilfskonvoi – ein Truck und drei Kleinbusse – tonnenweise Hilfsgüter in die Ukraine liefern können. Ziel war Sokal in der Nähe von Lviv, wo die Caritas ein großes Lager bewirtschaftet und von dem aus die Hilfsgüter bis in die Gebiete nördlich von Kiew verteilt.
Schwierig war die Passage der Grenze – sie dauerte Stunden. Und das, obwohl es die Caritas sowohl für die Ein- wie die Ausreise schaffte, dass wir uns mit dem 40-Tonner nicht ans Ende der endlosen Lkw-Schlange anstellen mussten und direkt an die Schranken vorfahren konnten.
Gegen 21:30 Uhr Ortszeit jedenfalls kamen wir in Sokal an, anderthalb Stunden später waren wir wieder unterwegs Richtung Polen und hatten mit Hilfe von Caritas-Mitarbeitern Zelte, Kleidung, medizinische Spritzen, Powerbanks, Feuerlöscher, Schlafsäcke, Lebensmittel, Babynahrung, Hygieneartikel, Tierfutter und Diesel abgeladen.
Uns standen dieses Mal 12500 Euro Spenden zur Verfügung, von denen wir allein für 9500 Euro in Großmärkten elf Paletten Lebensmittel gekauft haben. Dazu konnten wir 120 Pakete und Säcke mit Sachspenden nach Sokal bringen. Insgesamt waren es 30 Tonnen Hilfsgüter.
Das heißt aber auch: Wir freuen uns über weitere Spenden.
Was leider nicht klappte und sich mit der sich ständig verändernden Situation in der von Russland überfallenen Ukraine erklärt: Wir konnten nicht wie geplant kranke und behinderte Menschen nach Deutschland zu bringen. Diese Aufgabe haben wir aber nicht abgeschrieben, sondern suchen gemeinsam mit unseren Partnern bei der Caritas nach Lösungen.
Und wie kommt unser Engagement bei den Ukrainern an? Dazu eine Episode von der Einreise. Für Lkw-Fahrer ist die Grenzpassage die Hölle, entsprechend blank liegen die Nerven. An einer Stelle stand Mario mit seinem 40-Tonner ungünstig, kam lange nicht wieder in die Schlange und schon schließlich seinen Truck entschlossen dazwischen. Ein ukrainischer Fahrer, der die Situation nicht mitbekommen hatte, beschimpfte die Truckbesatzung heftig. Irgendwann aber sah er das Schild „Hilfskonvoi“, kletterte aus seiner Fahrerkabine, kam zu unserem MAN und sagte: „Nu, Kollega, fahr!“ Er hat uns dann auch später geholfen, als wir ratlos mit unseren Papieren herumstanden und nicht wussten, wo wir sie nun als nächstes vorzeigen sollen.
Und Martyn, Mitarbeiter der Caritas in Lwiw, meinte: „Ihr seid einfach Superhelden, nicht solche, wie wir sie im Fernsehen sehen, sondern solche im echten Leben.“ Wir sagen: Danke, gern geschehen.
Nach aktuellem Stand der Dinge soll der nächste Konvoi in die Ukraine am 23. Juni starten.