Die 13. Tour vom 10. bis 12. März

Am 11. März 2023 zeigt die Direktorin der Sokaler Kunstschule, Frau Oksana Dumanska, im Sokaler Rathaus Bilder von Schülern, die durch Kunst ihre Kriegserlebnisse verarbeiten. – Foto: Christoph Mordziol

01.04.2023: Bei dieser Tour wurden nicht nur 45 Tonnen Hilfsgüter nach Sokal gebracht, sondern auch die Möglichkeit einer Städtepartnerschaft zwischen Dessau-Roßlau und der urkainischen Stadt Sokal wurde weiter ausgelotet.

Fahrzeuge: Ein 40-Tonnen-Lkw, zwei Transporter aus Dresden vom Verein EuroMaidan-Sachsen und zwei Transporter aus Dessau-Roßlau, darunter ein Fahrzeug, das die VolksSolidarität 92 Dessau/Roßlau zur Verfügung gestellt hatte. Vor der Abfahrt spendete das WTZ Roßlau Kraftstoff für die Fahrzeuge.

Am 9. März 2023 wurden in Roßlau vier Transporter beladen. Viele Sachspenden bestanden aus warmer neuwertiger Kleidung, Hygieneartikeln, Medikamenten, Lebensmitteln, Sanitätsbedarf, Powerbanks, besonderen Kurbellaternen, Fußwärmern, Wasserfiltervorrichtungen mit Transportgestell, Trinkflaschen mit Filtereinsatz und Wasserdesinfektionstabletten, Wachs zum Gießen von Kerzen und von Wachsbrennern zum Erwärmen von Lebensmitteln und schließlich auch Tierfutter. Viele spezielle Hilfsgüter wurden durch eine Einzelperson aus Roßlau in Absprache mit den verantwortlichen Kontakten in Sokal und Lemberg im Wert von fast 12.000 Euro für das Krisengebiet gespendet und professionell organisiert. Dieses Mal hatten wir zudem Pflegebetten aus dem Heim „Haus Elbe-Fläming“, Lukoer Straße in Roßlau mit. Diese werden dringend für die Rehabilitierung schwer verletzter Soldaten benötigt.

 

Zwischenstopps in Leipzig und Breslau

Am 10. fuhr der Konvoi in Dessau-Roßlau los. In Leipzig wurde eine kleinere Menge weiterer Hilfsgüter zugeladen. Über Dresden ging es nach Breslau (Wrocław) zum Lager der polnischen Organisation Fundacja Potrafię Pomóc. Dort wurden von der Firma Procter & Gamble gespendete Hilfsgüter, wie Haushaltchemie, Hygieneartikel und Lebensmittel, auf einen 40-Tonnen-Lkw verladen: 33 Paletten, teils in Handarbeit und teils mit einem Gabelstapler.

Am 11. März gegen 7.00 Uhr morgens (Ortszeit) kamen wir nach 24 Stunden Fahrt und Passieren des Grenzübertrittes Hrebenne–Rava-Ruska mit 4 Transportern in Sokal im Hotel an. Der 40-Tonner mußte wegen Unklarheiten bezüglich der Bescheinigungen noch 25 Stunden auf die Abfertigung durch die ukrainische Zollbehörde warten. Er erreichte das Lager der Caritas in Sokal erst am 12. und wurde dort vollständig entladen.

11. März, 13.00 Uhr (Ortszeit): Nach wenigen Stunden Schlaf und dem Frühstück ging es zu dem Lager der Caritas, wo unsere vier Fahrzeuge entladen wurden. Anschließend empfing uns der Bürgermeister der Stadt Sokal, Sergii Kasian, im Rathaus, und seine Mitarbeiterin Oksana Kylyushyk übersetzte. Durch unsere Kontaktaufnahme bei der 12. Tour vom 5. bis 8. Januar waren Bestrebungen für das Zustandekommen einer Partnerschaft zwischen den Städten Sokal und Dessau-Roßlau entstanden. Der Bürgermeister der Stadt Sokal überreichte uns eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit mit der Bitte um Weiterleitung an den Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau Dr. Robert Reck.

 

Kinder verarbeiten den Krieg durch Bilder

In das Rathaus war auch die Direktorin der Victor-Matiuk-Kunstschule in Sokal Oksana Dumanska gekommen. Sie zeigte und erklärte uns Bilder von Schülern aller Altersgruppen. Durch das Anfertigen von Zeichnungen und Gemälden verarbeiten die Kinder durch den Krieg bedingte Erlebnisse und Situationen. Im Sinne eines ersten kulturellen Austausches überreichte uns Frau Dumanska die Bilder. Wir streben an, diese in Dessau-Roßlau mit einer Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei sollen auch unsere Schulen einbezogen werden.

Anschließend waren wir auf Einladung des Bürgermeisters zum Mittagessen und zum Austausch von Informationen. Mit dabei waren der Pfarrer der griechisch-katholischen Pfarrei in Sokal, der Bürgermeister, die Caritas-Verantwortliche in Sokal, die Verantwortliche für den Kontakt zum Kinderheim „Dzherelo“ in Lemberg und der verantwortliche Beauftragte für Katastrophenschutz in Sokal. Dieser Erfahrungsaustausch war für alle Beteiligten wichtig für den Ausbau unserer Beziehung.

Am 11. März, gegen 18.00 Uhr (Ortszeit) brachen wir auf; bis zur Grenze freundlicherweise in ortskundiger Begleitung, die uns über nicht zu sehr kaputte Straßen zu dem Grenzübergang Dołhobyczów–Uhryniw begleitet. Das ersparte es uns, durch unzählige Schlaglöcher zu fahren.

Wir hatten gehofft, die Grenze schnell passieren zu können. Leider war dem nicht so, und zwei Fahrzeuge mussten eine Durchleuchtungsanlage passieren. Insgesamt warteten wir viereinhalb Stunden. Kurz vor Mitternacht ukrainischer Zeit konnten wir weiterfahren und kamen schließlich am 12. März nach rund 16 Stunden Fahrt um 11.00 Uhr unfallfrei und gesund wieder in Roßlau an.

Mission die 13.: „Erfahrungen sind wichtiger als Erfolge, denn nur aus denen kann man Erfolge erzielen!“ (M.W.)